Reisebericht


2015 England / Wales


Auf meiner neunwöchigen Radtour habe ich für ein Fahrradportal und auf meiner Facebookseite Reiseberichte geschrieben. Die Tour ist ab England im Wochenüberblick dargestellt. In der ersten Woche bin ich insgesamt rund 400 Kilometer durch Belgien bis zum Fährhafen Zeebrugge gefahren:


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1. Woche

Während ich dies schreibe, sitze ich vor dem Zelt. Über mir ein strahlendblauer Himmel mit Schönwetterwolken; die Vögel zwitschern und gelegentlich höre ich Engländer. Dies ist nur eine Momentaufnahme von vielen, die ich bereits erlebt habe. Hierzu gehören auch anstrengende, lange Tagestouren, Regen, starker Wind; aber auch viele nette Begegnungen mit Belgiern, Niederländern und Engländern. Nach zwei Wochen Fahrradtour befinde mich jetzt auf einem Campingplatz rund acht Kilometer von York entfernt. Die erste Woche musste ich 390 Kilometer fahren, um den belgischen Fährhafen in Zeebrügge zu erreichen. Nach Ankunft im englischen Hull, im Nordosten von England, fuhr ich weiter bis hierin. Der Name der Hauptstadt des County North Yorkshire fehlt in keinem Englandreiseführer, da sie ein Schmuckstück ist.                                                          

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Die Ursprünge der Siedlung, die am Fluss Ouse liegt, gehen bis in die römischen Zeit zurück. Im Mittelalter war sie eine wichtige Handels- und Hafenstadt. Von weitem her sieht man schon die mächtigen Türme des Minster of York. Diese eindrucksvolle Kathedrale ist eine der größten des Landes.




2. Woche

Folgende wichtige Nachricht steht auf der zweiten Seite einer englischen Tageszeitung: Die Queen versuchte einen Fruchteiskuchen zu durchschneiden; kraftlos hat sie das Messer in der Torte steckenlassen. Fünf Großfotos dokumentieren dieses kleine Missgeschick. Die helfende Hand kam, während der allgemeinen Belustigung, von der Gastgeberin. So hat „Queen Mum“ doch noch ihren Kuchen bekommen. Die zweite wichtige Meldung ist, dass es in Südengland einen diesjährigen Hitzerekord gab: 28 Grad. Hier im Norden ist es seit über einer Woche ebenso warm und trocken. Es gab viele durchgehende Sonnentage mit mehr als 23 Grad Wärme. Bei dichterer Wolkendecke sinkt das Thermometer auf noch angenehme 15 Grad. Also optimales Wetter zum Radfahren. Von York bin ich Richtung Westen in die Penniens hineingefahren. Diese traumhafte Region ist das Mittelgebirge Englands, das sich von Süd nach Nord erstreckt. Die Straßen sind der Topografie angepasst und stark wellig. Öfters steigen die Wege auf kurzer Distanz mit über 16% steil an. Der Lohn der Mühen ist eine atemberaubende typisch englische Tal- und Moorlandschaft.

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3. Woche

Vom Yorkshire-Dale-Nationalpark bin ich weiter in die Grafschaft Lancashire gefahren, um an der englischen Westküste bis nach Liverpool zu gelangen. Mit jedem Kilometer wird die Landschaft weitläufiger, flacher und stärker besiedelt. Auf dieser Seite der Penniens hat sich eine Kulturlandschaft entwickelt ähnlich wie in Deutschland das Ruhrgebiet. Die Kohlevorkommen waren damals enorm und es entwickelte sich in ländlichen Gebieten in Kürze riesige Stadtgebiete. Sieht man heute auf eine englische Landkarte, dann erkennt man hier nur wenig freie Fläche zwischen den einzelnen Stadtgebieten; sie sind wie ineinander gewachsen. An der Flussmündung des Mersey liegt Liverpool. Ich habe mich für ein paar Tage in einem Hotel einquartiert, um die Stadt zu erkunden. Liverpool hat sehr viel zu bieten, sie ist eine „junge Stadt“, da hier auch viele Studenten leben. Viele Menschen verbinden mit Liverpool auch die „Pilzköpfe“, die Beatles. Die Merseyfähre, die stündlich eine Rundtour über den Fluss dreht, wurde in den 1960ger Jahren auch in einem weltbekannten Lied von Gerry Marsden verewigt.

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4. Woche

Hinter der englischen Stadt Chester rolle ich über die walisische Grenze. Ein Schild verkündet: „Welcome in Wales“. In Wales fahre ich auf dem gut ausgeschilderten Fernradweg Nr. 5, der direkt an der Küste entlang führt. Die Strecke ist flach und wunderschön. Durchgehend habe ich einen Blick auf das Meer; ich höre die Wellen, eine leichte Brise weht unter einem strahlendblauen Himmel. Die Temperatur liegt bei angenehmen 20 Grad. Mein Etappenziel ist die Stadt Cowny. Die Stadt ist für ihre sehr gut erhaltene Burganlage und Stadtmauer bekannt. Während ich dort Filmaufnahmen mache, fragt ein freundlich aussehender Waliser, ob ich schon gute Aufnahmen gemacht habe. Ich bejahe mit einer Kopfbewegung und einem Lachen. Er lächelt auch und während er mir anerkennend auf die Schulter klopft, fragt er woher ich denn komme. Ich antworte Germany. Sein Lachen wird noch breiter und sein Klopfen fester. Er wünscht mir alles Gute und eine gute Reise und geht. Solche kurzen Begegnungen erfahre ich regelmäßig. Die Menschen freuen sich, dass andere Menschen ihr Land gerne bereisen.

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5.Woche

Von Caernafon aus fahre ich nun für zwei Tage in die walisische Bergwelt hinein. Mein Weg führt mich in den Snowdonia-Nationalpark. Nach einigen Kilometer gemäßigten Anstieg bin ich auf einer Ebene angelangt, die mich durch ein wunderschönes Tal führt. Rechts und links steigen die Berge hoch an; grün und braun sind die dominierenden Farben. Die Schönwetterwolken zeichnen große Schatten auf die Berghänge. Dann höre ich ein lautes Tuten und Schnaufen. Es ist eine Schmalspurbahn, die ebenfalls durch das Tal fährt. In Wales gibt es viele solcher gut erhaltenen Bahnstrecken, die Anziehungspunkt für viele Interessierte aus aller Welt sind. Täglich fahren hier zwei Lokomotiven die Strecke von der Nordküste zur Westküste, hin und retour. In dem Bergort Beddgelert begegnen sich beide Loks bei ihrem Halt. Dort kann man sich sehr gut alles anschauen. Nach einigen Minuten Ein-und Umsteigen, Begrüßen und Verabschieden tuten beide Züge zur Weiterfahrt. Schnaufend bewegen sich beide zügig in entgegengesetzte Richtungen. Noch lange hört man die Lokomotiven durch die Bergwelt fahren.

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6. Woche

Entlang der walisischen Westküste fahre ich immer weiter in Richtung Süden. An Sonnentagen ist es über 30 Grad warm. Entlang der Meereslinie reiht sich ein Badeort nach dem anderen, in denen Waliser und Engländer ihren Urlaub verbringen. In der Kleinstadt Aberyswyth erhole ich mich noch ein wenig, da ich jetzt in Richtung Ostwales weiterfahren möchte. Hierfür muss ich die Cambrian-Mountains überqueren. Der Fahrtag beginnt mit regnerischen Wetter. Ich nehme Steigung um Steigung, um dahinter von einem Tal ins nächste hinabzufahren. Irgendwann befinde ich mich auf einer schmalen Bergstraße. Das Panorama ist eindrucksvoll: Mittlerweile fliegen Schönwetterwolken am Himmel vorbei, die Straße schlängelt sich am Berg entlang und in der Talsohle rauscht ein Wildbach. Dies ist mein bisher schwierigster Fahrtag gewesen. Ich habe 1000 Höhenmeter auf einer Länge von 55 Kilometer überwunden. In Ostwales angekommen werde ich die nächsten Tage weiter nach Südengland fahren.

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7. Woche

In Südengland angekommen fahre ich bis nach Bath. Die Stadt gehört zum Weltkulturerbe und wurde schon von den Römer, wegen ihrer Bäder, geschätzt. Von Bath aus kann ich die nächsten 25 Meilen am Avon-Kanal entlang rollen. Immer wieder schippert langsam ein Schmalboot auf dem Kanal entlang. Der geschotterte Fahrradweg ist gut ausgeschildert und ich folge der Wasserstraße bis zur Stadt Devizes, wo ich den Schiffskanal verlasse. Mein Weg führt mich weiter nach Stonehenge. Ich bin am nächsten Morgen schon um neun Uhr am Besucherzentrum, um nicht in den Haupttrubel zu gelangen. Die weltweit bekannte Kultstätte gehört für viele Touristen einfach zu einem Englandbesuch dazu. Ein Shuttlebus fährt mich bis in Sichtweite zu den Steinkreisen. Während ich mir den Steinkreis und die Umgebung anschaue, regnet es immer wieder. Inmitten des dunkle Wolkenhintergrunds und einer geschwungene Landschaft mit riesigen Getreidefeldern wirken die tonnenschweren Steine immer noch mystisch.

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8. Woche

Auf dem Weg von Stonhenge nach Dover musste ich in meiner letzten Reisewoche noch rund 400 Kilometer durch Südengland fahren. Die Fahrten waren durch das ständige auf- und abfahren nicht nur anstrengend, sondern auch nervig, da ich den direkten Weg auswählte. Selbst die kleineren Nebenstrecken sind in Südengland stark befahren. Die Straßen haben in England meist keinen Seitenstreifen, hierdurch kommt es sehr oft zu gefährlichen Überholmanövern von schnellfahrenden PKWs und LKWs. Diese Woche möchte ich nicht nochmal erleben; ich war froh als ich in Dover ankam. Auf der Fähre nahm ich dann Abschied von der Insel. Die Kalkfelsen wurden immer kleiner und irgendwann wurden sie vom Horizont „verschluckt“.

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