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Mit dem Drahtesel über die Alpen 

"Wenn in der Antike Hannibal samt Heer und Elefanten die Alpen überqueren konnte, dann ist dies doch wohl auch alleine mit einem bepackten Drahtesel möglich?!", sagte sich Thomas Pfeiffer, freier Mitarbeiter in der Pressestelle des Erzbistums Köln, Mitte Mai - und brach auf. Nicht ganz zwei Monate später hatte er es tatsächlich geschafft. Knapp 2.500 Kilometer auf dem Sattel und 16.000 Höhenmeter in den Reifen. Hier lesen Sie Auszüge aus seinen E-Mails von der Reise:

"Nun ist es soweit! Die Radtaschen sind gepackt, sodass ich beruhigt Köln hinter mir lassen kann. Ich werde zuerst dem Rheinstrom in Richtung Süden bis Basel folgen. Von dort rolle ich durch die Juraschweiz bis zum Genfer See. Um nun weiter in Richtung Süden zu fahren, werde ich die Französischen Alpen überqueren müssen. In Nizza angekommen geht es an der Cote d'Azur entlang bis zu den Pyrenäen...

...Nun bin ich schon mehr als drei Wochen unterwegs: In dieser Zeit habe ich so viel gesehen und erlebt, dass es mir vorkommt, als wenn ich schon ein halbes Jahr unterwegs wäre. Das Mittelrheintal mit seinen vielen Burgen, die oft hochgelegen auf Felsen errichtet wurden, ist sehr sehenswert - wie der mystische Loreleyfelsen gegenüber von St. Goar. Hier hörte ich den Nixengesang aber nur aus Lautsprechern der vorbeifahrenden Ausflugsboote. Natürlich ist auch der Rheinverlauf selbst für einen Kölner, der nur den breiten, geradefließenden Strom kennt, sehr aufregend. Der Fluss hat sich dort tief in das Tal hinein gegraben und windet sich in vielen engen Kurven durch dieses Gebiet...

...Nach dem Grenzübergang in die Schweiz hatte ich sofort die Stadtstraßen von Basel unter den Rädern. Ich habe schon viele Anstiege bewältigen müssen, um auf ein Hochplateau im Juragebirge zu gelangen. Kurz vor dem Genfer See ging es in vielen Kehren wieder zügig bergab. Hier in diesem Teil der französischen Schweiz ist es schon leicht maritim. Die Lebensweise der Bevölkerung, die vielen Weinanbaugebiete und an warmen Tagen der würzige Duft von Pinienbäumen erinnern mich oft an die Mittelmeerregionen...

... ICH BIN HINTER DEN FRANZÖSISCHEN ALPEN!!! Ja, nun habe ich auch dies geschafft. Falls es irgendwelche Zweifler unter euch geben sollte: Nein, ich habe keinen Zug, Bus oder ein Auto benutzt, die mich vor jedem Berg aufgesammelt haben. Das Alpenpanorama ist sehr beeindruckend gewesen. Während ich zwischen den bis zu 3.000 Meter hohen Bergmassiven durchfuhr, bin ich mir oft sehr winzig vorgekommen. Das Wetter war meistens trocken und sonnig-warm. Wolken und Regen gab es selten. Ein Gewitter wirkt viel bedrohlicher, als man es vom Flachland gewohnt ist. Zuerst näherte sich eine riesige Wolkenwand mit großer Geschwindigkeit und verschlang alle Berge. Der Regen war sehr stark. Der Donner schallte noch lange nach - zum Glück war es Abend und ich erlebte dies alles in meinem trockenen Zelt im warmen Schlafsack liegend.

Dadurch, dass ich langsam und im Freien fahre, habe ich fast täglich kleine Veränderungen in der Flora und Fauna wahrnehmen können. Der Grundton der Berge und Böden ist jetzt nicht mehr Grau, sondern Braun. Die Berge sind niedriger und geschwungener. Die Vegetation hat sich dem warm-trockenen Klima angepasst: Die Bäume sind kleiner, es gibt viele Koniferen- und Kiefernarten, Olivenbäume, Oleander- und Ginsterbüsche. Hier sieht man oft kleine Eidechsen, die tagsüber, auf heißen Steinen oder Wegen verharren. Ameisen sind immer auf der Suche nach Futter oder Baumaterial. Schmetterlinge sind hier auch ungewohnt viele unterwegs. Am eindrucksvollsten finde ich immer wieder die Grillen und die Zikaden: In der Hitze erfüllen sie mit ihren lauten und monotonen Melodien die Umgebung. In der Provence hat es mir so gut gefallen, dass ich einen Tag vom Kurs abkam und noch weiter in diese Gegend hineinfuhr ...

... Ich bin nun in Katalonien an der Costa Brava unterwegs. Hier ist der Tourismus die wichtigste Einnahmequelle. Auf einer Küstenstraße, die nach Tossa de Mar führt, fahre ich nun weiter. Die enge Straße windet sich oft hoch über dem Meer an den Bergen entlang. Auf steile Anstiege folgen schnelle Abfahrten bis Meereshöhe. Immer wieder halte ich an und schaue in entlegene Buchten herunter. Das Wasser schimmert türkisgrünbläulich, die Wellen brechen sich an den Felsen oder laufen am Sandstrand aus...

Ich rolle oft durch Dörfer, die den Eindruck vermitteln, als sei hier irgendwann die Zeit stehen geblieben. Im Schatten der Bäume vor der Dorfbar sitzen Männer, die sich unterhalten oder in der Hitze dösen. Die Häuser sind oft an den Berg um die Dorfkirche, die den höchsten Platz einnimmt, gebaut worden. Beim Auffüllen der Trinkflaschen in den Dorfbars kommen dem "Fremden" interessierte Blicke entgegen, die Gespräche werden leiser oder verstummen, Radreisende sind ein ungewohnter Anblick...

...Nach zwei Monaten Reisezeit komme ich endlich am Ziel an. Die letzten Kilometer fahre ich langsam rollend und bedächtig bis ich in das Dorf Riba Roja d´Ebre am Ebrostausee hinein."

Thomas Pfeiffer hat ausführliches Videomaterial von seiner Reise mitgebracht, das er zu einem Film verarbeiten wird. Kontaktieren kann man ihn unter info@erzbistum-koeln.de.

 

Im Notfall Kekse oder Kuchen! Drei Fragen an Thomas Pfeiffer, der mit dem Fahrrad von Köln nach Spanien fuhr.

NEK: Was ist das Besondere an einer so langen (Rad-)Reise?

T. P.: Faszinierend ist, dass man nicht nur durch ein Land fährt, sondern mittendrin ist: Du spürst die Hitze, den Regen, riechst die Luft und hörst die Vögel, Insekten, Wind... Auch Kontakte zu anderen Menschen ergeben sich schneller und spontaner, weil man langsam und auffällig unterwegs ist.

NEK: Wie motiviert man sich auf so einer Reise - bei Müdigkeit, Eisamkeit, usw.?

T. P.: Die Motivation ist entscheidend, ob man die nächsten Kilometer, den Tag oder die gesamte Reise übersteht. Für mich sind das Wetter und schöne Landschaften sowie angenehme Begegnungen mit fremden Menschen motivationsfördernd. In Frankreich und Spanien haben mich oft Rennradfahrer mit aufmunternden Gesten angespornt. Trockenes Wetter oder Sonne sind top, Regen oder eine dunkle Wolkendecke nicht so schön. Im Notfall helfen Schokokekse und Kuchen!

NEK: Was war ihr beeindruckendstes Erlebnis?

T. P.: An das "Top-Erlebnis" kann ich mich gar nicht erinnern. Vielmehr sind es die einzelnen einfachen Ereignisse, die die Reise zu einem besonderen Erlebnis machen: Der Tag, an dem ich die Alpen hinter mir lies und in die Haute Provence hinein gefahren bin... Wie aus kleinen Situationen, zum Beispiel bei der Frage nach dem Weg, ein langes freundliches Gespräch wird... oder das Beobachten eines Storchenpaares bei der Futtersuche...